Mittwoch, 20.03.2019

16:00 - 17:15 Uhr

Vorsitz: S. Herpertz (Bochum)

 

Grußwort des Kongresspräsidenten 2019

S. Herpertz (Bochum)

 

Grußwort der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)

J. Kruse (Gießen/Marburg)

 

Präsident der Ärztekammer Nordrhein
Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund
Mitglied des Deutschen Bundestags – Ausschuss für Gesundheit

R. Henke (Berlin)

 

Bundesärztekammer

U.M. Clever (Freiburg/Stuttgart)

 

Grußwort des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM)

C. Herrmann-Lingen (Göttingen)

17:15 - 18:15 Uhr

Von allen aktuellen Krisen ist der menschgemachte Klimawandel die gefährlichste, denn die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass wir dabei sind, die natürlichen Grundlagen unserer Zivilisation zu zerstören, ist erdrückend. Dennoch sind die politischen und persönlichen Konsequenzen aus dieser Beweislage völlig unzureichend. Der Vortrag wird zunächst ein Gesamtbild der Klimakrise zeichnen und begründen, warum die Erderwärmung auf maximal 2 °C begrenzt werden muss (siehe Pariser Klimaabkommen von 2015). Anschließend wird ein Narrativ vorgestellt, dass die entsprechend notwendige gesellschaftliche Transformation beschreibt. Abschließend soll die kognitive Dissonanz angesprochen werden, die bisher alle Transformationsbestrebungen lähmt.

H. J. Schellnhuber (Potsdam)

Donnerstag, 21.03.2019

08:30 - 10:00 Uhr

Vorsitz: P. Henningsen (München)

 

Somatisierung, Kultur und Prävention

Somatisierung ist ein essentieller und tief verwurzelter Teil des Ausdruckes seelischer Befindlichkeit. Im Vortrag wird es um die auch kulturabhängige Rolle somatoformer Beschwerden als Frühsymptome psychischer und psychosomatischer Belastung gehen. Dabei insbesondere um innovative Strategien, über die Bedeutung von Somatisierung aufzuklären und dies für eine bestmögliche Prävention in unterschiedlichen Settings, gerade auch am Arbeitsplatz („workplace mental health“), zu nutzen.

H. Gündel (Ulm)

 

Deficits in the Mental Representation of Emotional States in Functional Somatic Syndromes

New developments in affect science view the experience of differentiated emotions as a language-dependent construction. By extension, the capacity to experience a range of emotions is a function of a person’s emotion concept repertoire, and limitations in this area of cognitive development may occur in the context of early childhood adversity. This talk will present a cognitive- developmental theory of emotional awareness and the evidence supporting it. Severe restrictions in this cognitive skill may manifest as affective agnosia, an impairment in a person’s ability to know what they are feeling. Evidence for such a deficit in functional somatic syndromes and conversion disorder will be presented. A mechanism by which such a deficit could lead survivors of early adversity to have chronic pain in adulthood will also be presented. These findings have clinical implications – specifically highlighting the importance of facilitating the transition from bodily-based implicit emotional responses to the explicit experience of differentiated emotions that can be described in words.

R.D. Lane (Tuscon, Vereinigte Staaten)

10:30 - 11:45 Uhr

Vorsitz: H. Kessler (Bochum)

 

Die Psychotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung kann mit psychotherapeutischen Methoden sehr effektiv behandelt werden. Der Vortrag gibt einen Überblick über den Stand der Psychotherapieforschung in diesem Bereich. Verschiedene Formen der traumafokussierten Psychotherapie werden vorgestellt und hinsichtlich ihrer empirischen Basis und Wirksamkeit gewürdigt. In den letzten Jahren zeigte sich, dass es für die Patienten, die es zu belastend finden, sich intensiv mit ihren traumatischen Erinnerungen zu konfrontieren, sehr gut wirksame Behandlungsalternativen gibt: traumafokussierte, aber nicht expositionsbasierte Interventionen zeigen große Effekte. Es stellte sich heraus, dass auch bei solchen komorbiden Störungsbildern, die früher als Kontraindikation für eine Psychotherapie der PTBS galten, mit neuen Interventionen gute Behandlungsergebnisse erzielt werden.

R. Steil (Frankfurt am Main)

 

Trauma- und Stressfolgestörungen: neue internationale Diagnosen und ihnen zugrunde liegende Störungsmodelle

Der Vortrag beschreibt die „klassische“ PTBS, die Komplexe PTBS, die neue Diagnose der „Anhaltenden Trauerstörung“ (ATS) sowie die neu definierte Anpassungsstörung. Allen gemeinsam ist, dass das Gedächtnis der Betroffenen über Monate, Jahre und Jahrzehnte überaktiviert bleibt und dass dissoziative Prozesse eine mehr oder minder große Rolle einnehmen. Leitsymptome sind intrusive Symptome in verschiedener Form, als Flashbacks bei den PTBS-Formen, als schmerzhafte Sehnsucht bei der ATS und als Präokkupationen bei der Anpassungsstörung. Insbesondere bei der Entstehung der Komplexen PTBS stehen entwicklungspsychologische Faktoren im Vordergrund, die im Vortrag diskutiert werden. Alle Diagnosen sind – vergleichsweise mehr als andere psychische Störungen – durch interpersonelle und soziokulturelle Bedingungen mitgeprägt, was sich dahingehend auswirkt, dass Patienten aus verschiedenen Kulturkreisen die Störungen sehr unterschiedlich präsentieren können.

A. Maercker (Zürich, Schweiz)

15:00 - 16:15 Uhr

Vorsitz: M. Diers (Bochum)

 

Behandlung chronischer Schmerzen mit Expositionen

Die auf dem Fear-Avoidance Modell basierende Expositionstherapie ist eine ökonomische und vielversprechende psychologische Methode zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Die Methode ist den Tailored-treatment-Ansätzen zuzuordnen. Dabei wird erhöhte Angst vor Bewegung gezielt mit konfrontativen Übungen behandelt. Expositionstherapie findet bisher wenig Anwendung in der Praxis, was unter anderem an der Unsicherheit der Behandler, ob Expositionen gefahrenlos durchgeführt werden können, liegt. In dem Vortrag stellt Julia Glombiewski Möglichkeiten zur Identifikation der für die Expositionsbehandlung geeigneten Patienten vor. Das praktische Vorgehen wird anhand eines Fallbeispiels vorgestellt. Die bisher vorliegenden randomisierten, kontrollierten Studien sowie Einzelfallstudien und Studien zu Therapieprozessen im Vergleich zu anderen psychologischen Verfahren werden ausführlich beschrieben und zusammenfassend diskutiert.

J. A. Glombiewski (Landau)

 

Pain, threat and avoidance

Pain is a biologically relevant and vital signal of bodily threat, urging the individual to protect him/herself. Immediate protective responses to pain include increased arousal, orientation to the sources of threat, and various safety-seeking behaviors including escape/avoidance behavior. In order to facilitate early and effective protection against bodily threat, previously neutral cues that somehow are causally or functionally related to pain can receive the propensity to elicit the expectancy of pain or pain increase, fostering anticipatory protective responses. In this presentation, Johan Vlaeyen will present experimental data in healthy participants and individuals with chronic pain showing that pain-related fear (1) can be a learned response not only via direct experience but also via observation and verbal instruction, (2) easily generalizes to perceptually ánd conceptually similar events, (3) evokes observable avoidance behavior, that paradoxically increases fear (and pain) rather than reducing it, and that can be modulated by motivation context (4) extinguishes through modern expectancy violation techniques.

J. Vlaeyen (Leuven, Belgien)

17:00 - 18:15 Uhr

Vorsitz: A. Zeeck (Freiburg)

 

Essstörungen bei Menschen mit Adipositas

Das gemeinsame Auftreten von Essstörungen und Adipositas nimmt zu. Das betrifft zunehmend Patienten mit Bulimia nervosa aber vor allem Menschen mit Binge-Eating Störung. Andere Essstörungen wie die purging disorder und das night eating Syndrom können ebenfalls mit Adipositas assoziiert sein. Neue Formen der Essstörung entstehen im Anschluss an adipositaschirurgische Maßnahmen. In der Behandlung ist es oft nicht einfach, die Prioritäten zwischen der Therapie der Essstörung und der Gewichtskontrolle zu definieren.

M. de Zwaan (Hannover)

 

Gerald Russell’s Legacy: From the Brain and Back Again?

In this talk I set Gerald’s Russell’s legacy in context. I consider how his interest in the brain and social factors opened a pathway of research that has led to new models of understanding of eating disorders. In turn these have been translated into new treatments. Arguably the most important contribution to our understanding of anorexia nervosa was the seminal study examining the “Maudsley Model” of family therapy. This set the scene for the examination of social factors in the predisposition, precipitating and perpetuating of anorexia nervosa which remains “work in progress”. The “discovery “of bulimia nervosa and its treatment has been of immense value to people with these problems. One new theoretical explanation is that neuroadaptative processes may lead to a pattern of “food addiction” in some groups. This opens the concept of a more personalised approach to treatment for this group.

J. Treasure (London, Vereinigtes Königreich)

18:45 - 19:45 Uhr

Vorsitz: H. Kessler (Bochum)

 

Im Alltag sind wir darauf angewiesen, andere Menschen und ihre Handlungen zu verstehen. Um effektiv und schnell Andere einschätzen zu können, stützen wir uns auf Stereotype, auf Personenbilder von Individuen, Berufsgruppen, Nationen, usw. Die Herausforderung besteht darin, trotz der Orientierungshilfe durch diese Personenbilder, die Offenheit für neue Information und die Veränderung von Personenbildern zu bewahren. Eine Gefahr der neuen Medien besteht darin, dass wir aufgrund einseitiger und abgekapselter Informationen diese Korrekturfähigkeit und kognitive Flexibilität verlieren. Dies betrifft dann vermutlich nicht nur die Wahrnehmung anderer Personen, sondern auch die Selbstwahrnehmung in Form von verstärkten Selbsttäuschungen.

A. Newen (Bochum)

Freitag, 22.03.2019

08:30 - 09:45 Uhr

Vorsitz: C. Albus (Köln)

 

Stress und Herzkrankheit – Zeit für Prävention!

Die Bedeutung von psychosozialem Stress für die Entstehung und Auslösung von Herzkrankheiten ist gut bekannt und wird auch physiologisch zunehmend besser verstanden. Stressreduktion spielt in der Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit eine wichtige Rolle und kann möglicherweise die Prognose verbessern. Ob Stressreduktion jedoch auch die Entstehung von Herzerkrankungen verhindern kann, ist ungewiss. Dies liegt möglicherweise daran, dass wesentliche Weichen für das kardiovaskuläre Risiko bereits in der Kindheit gestellt werden und primärpräventive Ansätze bereits in den ersten Lebensjahren einsetzen sollten.

C. Herrmann-Lingen (Göttingen)

 

Motivation und Diabetes – Zeit für einen Paradigmenwechsel?

Therapieempfehlungen werden von chronisch kranken Menschen oft nicht umgesetzt. Als prototypische Erkrankung für diese Problematik kann Diabetes mellitus betrachtet werden. In dem Vortrag wird eine neue Klassifikation verschiedener Arten der Therapieadhärenz und ein Algorithmus zum ärztlichen Umgang mit unterschiedlichen Arten der Therapieadhärenz vorgestellt. Zentral ist dabei ein differenzierter Umgang mit Non Adhärenz, bei dem die Rollen und die Verantwortungen für Behandler und Patienten explizit geklärt werden.

F. Petrak (Bochum)

10:30 - 11:45 Uhr

Vorsitz: B. Strauß (Jena)

 

Kann man etwas von Meistertherapeuten lernen, wenn man selber gar nicht so hohe Ansprüche hat?

Dass Psychotherapeuten sich stark in der Qualität ihrer Leistung unterscheiden, diese Erkenntnis beginnt, sich durchzusetzen. Es gibt allerdings bisher sehr wenig Forschung zur Expertiseentwicklung in der Psychotherapie selber. Wir können aber einiges von der Forschung in anderen Berufsgebieten lernen. Wir können uns auch Gedanken dazu machen, warum es so besonders schwer ist, in Psychotherapie einfach aus Erfahrung in der Alltagspraxis zu lernen und wie man gegenwärtig das Beste aus dieser Situation macht.

F. Caspar (Bern, Österreich)

 

Do therapies for depression work through common or specific factors?

Although it is well-known that therapies for depression are effective, it is not known how they work. There are many theories about how therapies result in change, but there are insufficient empirical data supporting these models. In this presentation I will focus on how we can examine the working mechanisms of therapies. I will also focus on the common factors and the empirical support for these factors.

P. Cuijpers (Amsterdam, Niederlande)

15:00 - 16:30 Uhr

Vorsitz: W. Söllner (Nürnberg)

 

HIV- infection and mental health

The incidence of new HIV-infections in Europe is still high and the prevalence of neuropsychiatric disorders is higher than in the general population. HIV infection and psychiatric disorders have a complex relationship. Being HIV infected could result in psychiatric disorders as a psychological consequence of the infection or because of the effect of the HIV virus on the brain. Disorders may be as varied as depression, anxiety, sleep disorders, psychotic symptoms or neurocognitive impairment. In addition, psychiatric conditions may predispose individuals to acquire HIV infection (through high risk behaviors), and/or create a barrier to medical care, communication with clinicians, and adherence to medical recommendations. This presentation will review the assessment and diagnosis of HIV-related psychiatric disorders and discuss current treatment modalities.

J. Blanch (Barcelona, Spanien)

 

Integrative Behandlungsansätze in der Psychoonkologie mit besonderer Berücksichtigung der Palliative Care

Bis zu 30% der Patienten mit einer Tumorerkrankung entwickeln nach der Diagnose oder im Verlauf der Behandlung eine psychische Erkrankung unterschiedlichen Schweregrads. Sowohl für deren Früherkennung als auch Behandlung ist ein interprofessioneller und interdisziplinärer Behandlungsansatz unabdingbar. Dieser wird im Vortrag beispielhaft und mit besonderer Berücksichtigung der Palliativ Care vorgestellt.

J. Jenewein (Zürich, Schweiz)

17:00 - 18:30 Uhr

Vorsitz: S. Herpertz (Bochum)

Wie entsteht Denken im Gehirn? Bis vor kurzem dachte man, dass ohne einen großen Kortex wie z.B. bei Menschen oder Schimpansen höhere Denkprozesse nicht möglich sind. Doch Untersuchungen der letzten zwei Jahrzehnte zeigen, dass Vögel wie z. B. Krähen mit kleinen Gehirnen und ohne Kortex Denkleistungen erbringen können, die auf dem Niveau von Schimpansen liegen. Diese Erkenntnisse zwingen uns, unsere Vorstellungen von den neuralen Grundlagen der Kognition komplett neu zu überdenken. Sie zeigen zudem, dass intelligente Gehirne mehrfach und parallel in der Evolution entstanden sind.

O. Güntürkün (Bochum)