Grußwort Kongresspräsident

Programmkomitee: v.l.n.r. Prof. Henrik Kessler, Dr. Aram Kehyayan, Prof. Stephan Herpertz, Dr. Sebastian Jongen, Prof. Martin Diers

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Psychosomatik in unruhigen Zeiten – Vertrautes und Visionen“ lautet das Leitthema des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2019.

Als Ende 2017 die Entscheidung fiel, den Kongress im März 2019 zu gestalten, war die allgemeine Unruhe, die vielleicht mit der Flüchtlingsthematik des Jahres 2015 begonnen hatte, sich mit der Entscheidung zum Brexit im Juni 2016 gesteigert und mit der Wahl des amerikanischen Präsidenten ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, für fast alle Menschen spürbar. Dabei hatte das Gefühl einer Krise schon früher, nämlich 2008 mit der weltweiten Bankenkrise begonnen und das Jahr 2017 brachte keinesfalls die Hoffnung mit sich, die Ereignisse der letzten Jahre seien tatsächlich als eine Krise, d.h. als ein „Höhe- oder Wendepunkt“ einer gefährlichen Entwicklung und damit als zeitlich terminiert zu verstehen. Eher hat es den Anschein, dass auch bisher als stabil geglaubte gesellschaftliche Institutionen wie Parteien, Verbände oder Konzerne das in sie gesteckte Vertrauen nur unzureichend einlösen können, und eine Form von Polarisierung und Polemisierung den zuvor gekannten demokratischen Dialog zu ersetzen beginnt.

Krisen haben immer auch das Potential der Veränderung. Vertrautes wird aufgegeben oder zumindest in Frage gestellt. Je nach Ausmaß der Veränderung ist auch eine individuelle Verunsicherung die Folge. Der Deutsche Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2019 bietet sich als Ort der Begegnung und des Austauschs an, um mögliche Antworten auf Krisen und deren Bewältigung zu diskutieren und zu entwickeln. In Anbetracht globaler Veränderungen mag das illusionär erscheinen, doch zwischenmenschliche Begegnungen und Dialoge, die für die Psychosomatische Medizin von fundamentaler Bedeutung sind, waren immer schon Keimzellen jeglicher Visionen und damit Veränderungen.

In diesem Sinne freuen wir uns auf zahlreiche und vielfältige Begegnungen im März 2019 in Berlin.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Stephan Herpertz
Kongresspräsident

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Grußwort Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)

Dr. Dietrich Munz

Sehr geehrter Herr Professor Herpertz,
sehr geehrte Damen und Herren,

Psychosomatik in unruhigen Zeiten – dieses Motto betrifft Viele: Die Psychosomatik als wissenschaftliche Fachdisziplin, die Beschäftigten in der psychosomatischen Versorgung und die Patientinnen und Patienten. Ihr Kongress findet in diesem Jahr zu einem Zeitpunkt statt, an dem der Referentenentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung zur Debatte steht. Seitdem leben auch wir Psychotherapeuten in unruhigen Zeiten.

Positiv an der Reformdebatte ist, dass einhellig festgestellt wird, dass Patienten einen Anspruch auf eine ganzheitliche Versorgung haben, die Körper und Seele gleichermaßen berücksichtigt. Für mich bedeutet das, dass auch Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen Anspruch auf eine leitlinienorientierte Behandlung haben – ambulant und stationär. Dafür brauchen wir ausreichend viele Behandelnde, die auf die psychotherapeutische Versorgung spezialisiert sind. Die Reform der Bedarfsplanung und die Personalmindestanforderungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss für die stationäre psychiatrische und psychosomatische Versorgung definiert, sind Prüfsteine, ob unser Gesundheitswesen diesen Anspruch einlösen kann.

Das Betonen der ganzheitlichen Versorgung birgt aber auch das Risiko der Bagatellisierung von Psychotherapie. In der laufenden Debatte begegnet mir häufiger das Argument, dass alle Ärzte auch Psychotherapeuten seien, weil sie immer Körper und Seele behandeln, ob sie es wollen oder nicht. Das können wir so nicht stehen lassen. Ich setze darauf, dass alle beteiligten Berufe weiter alles daransetzen, die Qualität der Psychotherapie zu erhalten und weiter zu verbessern, so wie wir es seit Jahren gemeinsam interprofessionell praktizieren.

Vor 20 Jahren wurden mit dem Psychotherapeutengesetz die Berufe der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten geschaffen und in die vertragsärztliche Versorgung integriert. Gesetzlich Krankenversicherte haben seitdem einen direkten Zugang zu zugelassenen Psychotherapeuten, egal ob diese vorher Medizin, Psychologie oder Soziale Arbeit studiert haben. Sie werden von diesen eigenverantwortlich diagnostiziert und, wenn erforderlich, psychotherapeutisch behandelt. Regelungen im Berufs- und Sozialrecht stellen sicher, dass im Sinne der ganzheitlichen Versorgung immer auch eine somatische Abklärung stattfindet.

Mit der Reform, nach der künftig alle Psychotherapeuten ihre Approbation nach einem Studium und ihre Fachkunde nach einer Weiterbildung erhalten, wird diese hohe Versorgungsqualität erhalten bleiben. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass alle über einen Hochschulabschluss auf Masterniveau verfügen, Weiterentwicklungen der psychotherapeutischen Versorgung angemessen in der Qualifizierung berücksichtigt werden und unser Nachwuchs nach dem Studium nicht mehr in prekäre Lebenslagen gerät. Das Psychotherapeutengesetz kann zwar die psychotherapeutische Qualifizierung von Ärzten nicht regeln, aber Maßstäbe setzen und die Voraussetzungen für Harmonisierungen in den Weiterbildungsordnungen der beiden Berufe schaffen. Wenn interprofessionelle Kooperation bereits in der Weiterbildung erlebt wird, haben wir gute Voraussetzungen, für beide Berufe ein vergleichbares psychotherapeutisches Kompetenzniveau zu sichern.

Wenn wir unruhige Zeiten bewältigen wollen, sollten wir uns auf Vertrautes verlassen können und zugleich bereit sein, Visionen für Neues zu entwickeln. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen anregende und erfolgreiche Kongresstage.

Dr. Dietrich Munz
Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)

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Grußwort Vorsitzender der DGPM

Prof. Dr. Johannes Kruse

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich Willkommen auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und somit auf der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie. Prof. Herpertz und sein Team haben ein hervorragendes Programm zusammengestellt, das einen sehr spannenden Kongress verspricht. Sie sprechen mit dem Rahmenthema „Psychosomatik in unruhigen Zeiten – Vertrautes und Visionen“ zentrale Themen der Zeit an.

Die Zeiten sind unruhig, oftmals beunruhigend. Die Folgen des Klimawandels, der Globalisierung, der Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen der Arbeitswelt sowie die Auflösung der Privatheit fordern die Gesellschaft aber auch jeden einzelnen in seinem Lebensalltag heraus. Gesellschaftliche Anforderungen und die Bedürfnisse und Ressourcen des einzelnen passen häufig nicht zusammen und lassen sich nur schwer synchronisieren. Viele Menschen sind überfordert, entwickeln psychische und psychosomatische Erkrankungen und suchen zunehmend therapeutische Unterstützung.

Auch in der Gesundheitspolitik sind die Zeiten unruhig. Ärzte- und Fachkräftemangel, und die Begrenztheit der finanziellen Ressourcen erhöhen den Druck auf rasche, finanzierbare Lösungen. Einfache Lösungen gibt es dabei nicht. Gefordert sind Konzepte der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, die sich an die veränderte Lebenswelt anpassen kann, ohne dass auf Qualität und Sicherheit verzichtet wird. Dieses ist der Ausgangspunkt für die konkrete politische Arbeit der DGPM, die darin besteht, unsere Überzeugungen in die Politik und Selbstverwaltung hineinzutragen und umzusetzen.

Bei der Weiterentwicklung der Krankenhausfinanzierung im Bereich der „P-Fächer“, dem Ringen um die Psychosomatischen Institutsambulanzen, dem Anspruch auf eine psychosomatisch gesicherte ambulante Versorgung der Patienten deutschlandweit durch eine entsprechende Bedarfsplanung, bei der Reform der Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten u. v. a. stehen wir im ständigen Diskurs für die Erhaltung der Qualität unserer ärztlichen, psychosomatischen und psychotherapeutischen Arbeit. Diese Aufgabe nimmt die DGPM im fachpolitischen Bereich seit mehr als 2 Jahrzehnten recht erfolgreich wahr.

Der Kongress ist ein Ort der Begegnung und bietet vielfältige Diskussionsmöglichkeiten auf der klinischen, wissenschaftlichen und fachpolitischen Ebene an. Er ist zudem wieder ein „Mitmachkongress“, auf dem neben Vorträgen zum Kongressthema ein umfangreiches wissenschaftliches Programm die aktuellen Entwicklungen in der Psychosomatik und Psychotherapie beleuchtet. Er gibt Anregungen für die Weiterentwicklung der klinischen Praxis und ermöglicht einen Dialog zwischen den klinisch Tätigen im ambulanten und stationären Bereich, den fachpolitisch Engagierten und den Forschern. Wir können auf die intensiven Gespräche zu den drängenden Forschungs- und Versorgungsfragen sehr gespannt sein.

Ich freue mich, Sie zu diesem Dialog in Berlin begrüßen zu dürfen und wünsche uns einen intensiven Austausch sowie eine gute Zeit in Berlin.

Prof. Dr. Johannes Kruse
Vorsitzender der DGPM

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Grußwort Vorsitzender des DKPM

Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum zweiten Mal tagt der Deutsche Psychosomatikkongress im Herzen des ehemaligen Westberlins, der Mauerstadt, in der ich im Frühjahr 1980 mein Medizinstudium aufnahm. Das waren unruhige Zeiten: Die Hausbesetzerszene erfüllte die Stadt nicht nur mit neuer deutscher Welle und der fröhlichen Anarchie der Seyfried-Comics sondern lieferte sich auch regelmäßig Scharmützel mit der Staatsmacht. Tausende DemonstrantInnen gegen den Besuch des damaligen US-Präsidenten Reagan wurden stundenlang von der Polizei eingekesselt und wer mitten in der heute wieder brandaktuellen Diskussion um atomare Nachrüstung einer alliierten Militärparade nur Transparente mit „Schwerter zu Pflugscharen“ oder „Entrüstet Euch“ entgegenhielt, riskierte einen Tag im Polizeigewahrsam. Besuche in Ostberlin oder Fahrten durch die DDR in die westdeutsche Heimat zeigten auch jenseits der ständig präsenten Mauer keineswegs bessere Verhältnisse. Unruhige Zeiten!

Eine Vision ist mir aus den ersten Wochen als Student in Berlin in lebhafter Erinnerung geblieben, festgehalten in einem Filmprojekt einer freien Kulturinitiative. Sie zeigte ein Berlin der Zukunft, in dem es keine Mauer mehr geben würde. An ihrer Stelle spazierten Familien und fuhren Radfahrer durch Parklandschaften. Diese Vision hat mich damals sehr berührt – zu schön um wahr zu sein! Am Ende der Veranstaltung blieb neben der Berührtheit ein Kopfschütteln. Ein Ende der vertrauten Insellage Berlins war uns schlicht nicht realistisch vorstellbar.

Berlin und die Welt sind seither durch viele unruhige Zeiten gegangen und obwohl sich die letzten Jahre wieder besonders unruhig anfühlen, hat für mich auch diese Unruhe – gerade in Berlin – etwas Vertrautes. Und die Erinnerung an den visionären Film stimmt mich zuversichtlich, dass diese Stadt und wir mit ihr auch aus den aktuellen Unruhen erneuert hervorgehen können.

Die Katastrophe des 2. Weltkriegs trug 1942 maßgeblich zur Gründung der American Psychosomatic Society bei und auf dem psychosomatischen Weltkongress im Jahr 2005 begrüßte der japanische Kaiser die Teilnehmer*innen, mit einer Würdigung der psychosomatischen Medizin, die gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Herausforderungen und Umbrüche benötigt werde.

Hier knüpft das Motto des diesjährigen Kongresses an, für die der Kongresspräsident Prof. Stephan Herpertz aus Bochum und sein Team ein hoch attraktives Programm zusammengestellt haben. Es schlägt den Bogen vom Klimawandel und seiner kognitiven (Fehl-)Verarbeitung über gesellschaftliche Vorurteile und Traumatisierungen hin zu Kernfeldern psychosomatischer Medizin und Psychotherapie und bietet eine Gelegenheit, Vertrautes zu hinterfragen, zu vertiefen und Visionen zu entwickeln. Yujiro Ikemi, Pionier der japanischen Psychosomatik, der sich das DKPM in Freundschaft verbunden fühlt, formulierte die Vision einer „bio-psycho-sozi-öko-ethischen“ Medizin, die nicht nur Heilkunde sondern auch Handlungswissenschaft und Ansporn zu aktivem gesellschaftlichen Engagement sein kann, womit wir in gewisser Weise wieder in Berlin angelangt sind, wo Rudolf Virchow für seine Idee von Medizin als einer sozialen Wissenschaft kämpfte.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Euch und uns allen einen anregenden Kongress, verbunden mit einem großen Dankeschön an das wissenschaftliche Kongressteam und an die Mitarbeiter*innen von K.I.T. Group GmbH, die auch diesen Kongress wieder mit professioneller Logistik ermöglichen.

Für das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin

Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen
Vorsitzender des DKPM

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